BRIEF an die PAX-CHRISTI- GEMEINDE Essen zur Jahreswende 2008/2009
"Es geht zur Zeit in den vom Geldmangel geplagten Kirchen ziemlich säkularisiert zu. Das Personal wird ausgedünnt, die Bezirke vergrößert. Im katholischen Bereich wird der Geldmangel noch durch den Mangel an ehelosen Priestern verschärft. im Vergleich zu den angestellten Laien ist die Bedeutung eines Priesters aber so unverzichtbar, dass die Regel heißt, dass jeder pastorale Bereich einen letztverantwortlichen Priester haben muss. In diesem Sinn erfolgt zur Zeit die Vergrößerung der pastoralen Räume nicht mehr allein geldgeleitet, sondern orientiert sich an der schrumpfenden Zahl verfügbarer Priester", stellt ein in Europa führender Forscher der Pastoraltheologie fest. (P.M.Zulehner)
Für Kirche und ihre Verantwortlichen, Priester und Laien, gilt in dieser Situation -bei allem Geldmangel und brisantem Paragraphen- und Gremien-Geflecht am Arbeits- und Immobilien- markt- den Sinn und die vorrangigen Aufgaben von Kirche im Blick zu behalten. Die praktischen Erfahrungen von Jahrzehnten in Verbänden und Gemeinden haben gezeigt, dass jede Verknappung immer auch Chancen eröffnet, die in der Regel Analyse und Revision der Methoden nach sich ziehen. Gemeindetheologie, Pastoralpsychologie und christliche Tiefenpsychologie werden gründlicher abgefragt. Es geht gerade auch im Blick sowohl auf den Einzelnen wie auf das Gemeinwohl, den Wert und Erhalt von Dingen und den großen Schatz des Christlichen zu bewahren und neu herauszustellen!
Der Pastoraltheologe sieht in den neuen Großpfarreien das Feld für besondere pastorale Dienste, die kleine Gemeinden überfordern würden, etwa eine 'Citypastoral' – z.B. für Passanten die einfach mal 'reinschauen' wollen; oder seelsorgliche Begleitung von Gruppen im Trauerfall; - pastorale Betreuung passionierter Motorradfahrer. Regional ist auch kirchliche Bildungsarbeit angesiedelt, ebenso die Einrichtung einer 'Jugendkirche'. Diese Seelsorge antwortet auf die gewachsene enorme Vielfalt der Bevölkerung in ihrer weltanschaulichen Einstellung und Lebensart. Da gibt es Bürgerlich-konservative, 'treue Kirchenferne', 'unbekümmerte Alltagspragmatiker', Atheisten, geistige Pilger, Sinn-sucher und Kreative, die sowohl aus spirituell erschöpfter Moderne wie aus spirituell erschöpften Kirchen kommen. Im Großraum soll dann im Hinblick auf diese Gruppen das missionarische Anliegen in unserer säkularisierten Welt aufgenommen werden.

Im kleineren Bereich dagegen, in der Gemeinde am Ort, geht es um das Leben in Gemeinschaft, ausgehend von den Feiern des Glaubens an Sonn- und Festtagen, um Zusammenkommen, das den Einzelnen und das Miteinander bestärkt - und vom Schicksal Betroffenen konkret beisteht. Auch von diesem kleineren Lebensraum können missionarische, einladende Impulse ausgehen, die aus der Messe am Sonntag - Mitte christlichen Lebens, Höhe- und Ausgangspunkt der Kirche – kommen und doch den einen oder anderen aus der bunten Welt aufmerksam machen - 'manchmal dauert es eben ein bisschen'.

Überraschend, was die Forschung in der Gegenwart zu Tage fördert:

"Die Menschen erwarten den Priester. Das ist nicht nur in der Gewohnheit begründet Die Ursache sitzt tiefer. Die Menschen suchen nicht das Profane in der Kirche, sondern das Heilige. Sinnlich wird das symbolisiert durch Personen, die etwas davon vermitteln - durch das Sakrament des Ordo (treffendere Bezeichnung als 'Priesterweihe'), und eine Lebens-formung, die im Mysterium gründet. Überraschendes Ergebnis in einer doch so weltlichen Welt und Gesellschaft: Die Menschen suchen also eher den Ordinierten als den 'Weltlichen', den säkularen Laien. Die liturgische Kleidung reicht dafür nicht aus. Dagegen kann man zwar theologisch Einspruch erheben. Das ändert aber nichts an der Erwartungslage des Großteils der Menschen. Und diese Erwartungslage ist nicht veraltet, sondern hochmodern." (P.M.Zulehner)

Wenn heute aufgrund ihrer geringeren Zahl eine Entlastung der Priester von Verwaltungsaufgaben empfohlen und damit der Dienst des Priesters auf die sakramentalen Feiern beschränkt wird, könnte das möglicherweise die Verwurzelung dieser gottesdienstlichen Feiern im konkreten Leben der Menschen schwächen oder behindern.

Sinn und Auftrag des priesterlichen Dienstes, wie es zum Beispiel der Apostel Paulus beschreibt: 'für Ordnung sorgen u n d die Heiligen, (= die getauften Christen) stärken für ihren Dienst', bekommt hier von der Psychologie der Moderne Bekräftigung. Das 'Sakrament des Ordo' beauftragt zur Gemeindeleitung, zum Dienst am Zusammenhalt der Gemeinde, die Messe zu 'halten', für die materiellen und räumlichen Voraussetzungen von Kirche und Gemeinde Sorge zu tragen. Und zugleich beauftragt der Ordo, die Christen als einzelne und gemeinsam,als Volk Gottes, durch Wort und Sakrament geistig-geistlich aufzuerbauen - 'für ihren (!) Dienst'. Dieser Dienst der Laien, der nach der Messe beginnt, heißt nichts anderes, als einzeln und gemeinsam das Reich Gottes, seine Atmosphäre im Alltag unter den Menschen voran zu bringen. Mit dem Priester stehen alle Laienmitarbeiter der Kirche in dieser Ordo-Struktur, - und, ob es sich um die Instandhaltung z.B. eines Kindergartens handelt oder um den Inhalt der Messtexte, - alles soll und kann der Verwurzelung des Christusgeheimnisses im konkreten Leben der Menschen dienen.

Und was nun, sollen wir nur deprimiert oder gleichgültig warten, bis es hier keine Priester mehr gibt?

"1970 hat ein weitblickender Theologe für das Jahr 2000 vorhergesehen:

"Die Kirche 2000 wird gewiss auch neue Formen des Amtes kennen und bewährte Christen, die im Beruf stehen, zu Priestern weihen. In vielen kleineren Gemeinden, bzw. zusammengehörigen sozialen Gruppen, wird die normale Seelsorge auf diese Weise erfüllt werden. Daneben wird der hauptamtliche Priester wie bisher unentbehrlich sein ".

Dieser Theologe wurde inzwischen Papst Benedikt XVI.

Bewährte "Christen" ?! Hat er an Männer und Frauen gedacht ?

Ob es dem Geist Gottes gelingt - wie immer wieder seit der Urkirche - Überraschungen möglich zu machen?! In diese Richtung gehe unser gemeinsames Gebet!

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1975 - 2008 – DANKE !

Liebe Leser !

Als langjährige Verfasser dieser Briefe verabschieden wir uns heute von Ihnen, denn mit Ende dieses Jahres 2008 nehmen Pfarrer und Gemeindereferentin Abschied von hier.

Sie gehen mit Dank für vom ersten Tag an bis heute reiche Jahre. Sie haben erlebt, dass Kirche aus Glaubenssicht und Erfahrung und nicht zuletzt aus dem anthropologischen Ansatz der Pastoral in den Auseinandersetzungen der Zeit Entscheidendes, ja Faszinierendes beizutragen hat.

Als die kleinste katholische Pfarrei in der Stadt Essen hatte Pax die Chance, wie in einem Brennglas gegenwärtige Möglichkeiten und Grenzen konkret wahrzunehmen, auch die dringlichen Folgen der schon vor Jahren greifenden Verknappung an Mensch und Zeit und Mitteln. Und in den Namensfeldern auf dem Boden der Unterkirche steckt aus Sicht der katholischen Soziallehre und dem Prinzip der unbedingten Menschenwürde ein Schatz, der bis in kommende Generationen segensstiftend wirken kann.

Dass von einigen das Zusammenwirken hier von den Kirchenleuten in den Bereichen von Theo- logie, Pädagogik, Psychologie, Liturgik als Perspektive künftiger kirchlicher Arbeit erkannt und anerkannt wurde, erfüllt mit Dankbarkeit und Hoffnung. Der Glücksfall, dass das kleine Team der Mitarbeiter von Pax in Kirche, Sakristei, Kindergarten und Pfarramt sich im Zusammen- spiel so voll einsetzte, - und so lange Jahre-, gehört dazu! Nicht erst beim Abschied wird bewusst, wie ebenso eine große Zahl von Männern und Frauen und Jugendlichen an vielen Stellen mit Engagement und mit Freude an der Sache das Ganze einer 'Kirche auf dem Weg durch die Zeit' in Taten umgesetzt haben. Dabei erfüllt uns besonders mit Dank, dass von vielen verstanden und bejaht worden ist, die gemeinsame Pfarrmesse am Sonntag als Kernpunkt, als zentralen Sammel- und Haltepunkt und Haus der offenen Tür für alle und jeden zu sehen.

Danke für jedes Miteinandergehen und Zueinanderstehen an Feier- und Alltagen der Gemeinde, bei den Meditationen und Andachten über die Pax-Christi-Kirche und bei den Lebenswenden.

Wir danken für dreiundreissig Jahre in und rund um Pax-Christi - eine so reiche Zeit! Es wäre schön, wenn manche aus Gemeinde und Gemeinschaft und auch manche der so freundlich gesonnenen Leser dieser Briefe mit diesem Dank übereinstimmen könnten.

Nun - "PAX ET BONUM" - Segen und Frieden und alles Gute für die Zukunft ! Franz-Josef Steprath - Anne Trappe

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BISCHOF DR. FELIX GENN
Auszug aus der Predigt zur Gründung der Pfarrei St. Laurentius
in Essen-Steele am 27. April 2008

"In dieser Stunde geschieht etwas, was in der Geschichte dieses Gebietes sicherlich prägend ist. Hier an diesem Ort mit einer sehr alten Pfarrei, mit einer großen Geschichte, seit König Otto 938 hier in Steele einen Hoftag abgehalten hat, seit diese Laurentiuskirche und ihre Vorgängerbauten dokumentiert haben, das kirchlich-christliches Leben hier Gestalt und Form gefunden hat, in der Geschichte dieser Pfarrei, aus der acht andere im Laufe der letzten hundert Jahre hervorgegangen sind , hier an diesem Ort, an dem sich die Fürstin Franziska Christine eingesetzt hat für die Not von Kindern und Jugendlichen und ein Werk hinterlassen hat, das auch heute noch für diesen Stadtteil prägend ist – hier an diesem Ort geschieht ein mächtiger Einsschnitt. Hier –heute Nachmittag– finden sich Pfarreien, die aus Laurentius hervorgegangen sind, zusammen, und Gebiete, die vielleicht für manche von Ihnen kaum im Blick gewesen sind, wenn Sie daran denken, dass jetzt auch die Menschen aus der ehemaligen Pfarrei Pax-Christi, St. Albertus Magnus, hierhin gehören, oder Menschen in Kray-Leithe schon an der Grenze nach Gelsenkirchen hin, vielleicht für viele ebenso wenig im Blick.

In diese Stunde fließt auch viel Schmerz ein. Ich denke an heftige Auseinandersetzungen, weil Kirchen aufgegeben werden müssen; hier in Steele sechs an der Zahl! Das ist keine Kleinigkeit. Das bedeutet: Wunden, Schmerz, Trauer, Abschied. Es kann nicht so getan werden, als sei das heute Nachmittag alles schon von gestern. Es gehört in diese Stunde. So sehr es Zeichen ist für die Entwicklung und die gewaltigen Umbrüche in unserer Ruhrregion, so sehr ist es und bleibt es für viele Menschen schmerzhaft: Ob das in Marien-Rott, in Eligius, in Christophorus, in Königssteele Herz-Jesu, im Isingerfeld oder in Eiberg Hl. Dreifaltigkeit ist, wo soll das seinen Platz haben, wenn nicht hier?
Ich kann mir gut vorstellen, dass manche Menschen heute bewusst nicht gekommen sind, weil sie sagen. Das will ich mir nicht antun. Da ist noch zu viel aufzuarbeiten.

Vielleicht können Sie, die sie diese Feier hier begehen, für die eine oder den anderen Bote sein und mithelfen zu gewinnen, aus dem Schmerz in den größeren Horizont hineinzugehen, der heute hier gefeiert wird . Dass wir nicht Kirchturm, sondern Kirche sind, dass wir zueinander gehören und dass wir es uns in unserer Situation überhaupt nicht leisten können, uns gegenseitig abzugrenzen, sondern auf die Mitte zu schauen, die der Herr ist.

Wir fangen nicht am Nullpunkt an, wir dürfen auf all das, auf all dem weiterbauen, das Sie und mit Ihnen viele andere gegründet und gelegt haben. Investitionen von Glaube, Hoffnung und Liebe. Schauen Sie auch auf diese Ressourcen, mit denen noch manches zu entwickeln ist, damit Kirche in unserer Gesellschaft ihren Platz behalten kann. Vielleicht entdecken Sie im Bergmannsfeld in Freisenbruch oder in Kray oder im Schönstatt-Zentrum in Kray plötzlich Quellen, die Sie bisher an Ihrem Ort und an Ihrem Platz so nicht wahrgenommen haben. Was es bedeutet, in einer Kirche wie Pax-Christi die universale Dimension christlichen Betens über alle Grenzen hinweg zu pflegen, gibt kirchlichem Leben noch einmal einen ganz eigenen Akzent."

Namenfeld (Be-)denkanstöße aus Keramik:
Anstöße aus Keramik I
Anstöße aus Keramik II