DAS GEHEIMNIS DES BÖSEN IST UNERKLÄRBAR
Die Frage nach der Herkunft des Bösen angesichts eines guten Gottes
bleibt fürden Menschen ein dunkles Rätsel. Manche Begleitumstände
einer bösen Tag, wiejetzt wieder der Amoklauf in Winnenden, mögen
sich begreiflich machen lassen.Doch vor dem harten Kern der Fragen
"Was ist das Böse? Woher kommt es?"bleiben wir ratlos.
Wenn wir Christen ein dualistisches Weltbild ablehnen, in dem
das Böse gleichursprünglich wäre wie das Gute, aber auch ein Weltbild,
in dem das Böse seinenUrsprung in Gott selbst hat, dann bleibt nur
der Weg, eine auf Freiheit und Entscheidung ruhende Verneinung des
Guten als Quellgrund des Bösen anzusehen. Dieser Mangel an Bejahung
des Guten kann unterschiedliche Gestand annehmen, nicht nur eine
individuelle, sondern auch eine strukturelle, die man mit dem Stichwort
"Verblendungszusammenhang" kennzeichnen könnte.
Weil Jesus - wie der Evangelist Johannes bemerkte - "wusste, was im
Menschenist", gibt es im "Vater unser" die Bitte um Erlösung von dem
Bösen. In jedem Menschen, auch dem heiligsten, steckt eine Möglichkeit
der Verneinung, eine Möglichkeit, sich dem Leben zu verweigern.
An Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu als Sieg über die Sünde
und den Tod. Aber die Geschichte der Menschheit bis in unsere Tage
scheint eine andere Sprache zu sprechen.
Vielleicht hilft hier der Vergleich mit dem, was 1989/90 politisch im
Osten passiert ist. Die Bedingungen für ein freies, selbstbestimmtes
Leben waren nach der friedlichen Revolution gegeben, aber nicht alle
haben die damit gegebenen Möglichkeiten ergriffen. Ostern ist so etwas
wie ein "Herrschaftswechsel". Natürlich hinkt der Vergleich, weil er
innerhalb menschlicher Geschichte bleibt. Diese ist noch nicht in
Gottes Welt endgültig eingemündet, wie manche Ideologien, auch
manche Terroristen uns glauben machen wollen.
Trotz der bitteren Erfahrungen aus Geschichte und Gegenwart
gilt für den Christen: Gott hat im Auferstandenen einen schöpferischen
Neuanfang gesetzt: Das Alte ist vergangen - siehe, Neues ist geworden.
Das kann freilich nur Gott. Aus dieser Perspektive vermag man auch
in der Dunkelheit österlich zu leben.
So ist auch die Pax-Christi-Kirche "Kirche auf dem Weg durch die Zeit";
und immer wieder dürfen wir uns gegenseitig gerade auch an diesem
Ort uns unseres Glaubens an den schöpferischen Neuanfang von
Ostern her vergewissern. Ein neuer Abschnitt in der Geschichte dieser
Kirche hat begonnen - der Staffelstab wurde sozusagen weitergereicht.
Und doch ist zu erkennen, dass viele "Sympathisanten", die für
die Idee und das wichtige Zeichen, dass dieser Ort darstellt, stehen,
engagiert weitermachen. Sie alle wollen dazu beitragen, dass Menschen
zum Nach-Denken angeregt und vielleicht auch aufgeregt werden;
dass das Thema "Friede" immer wieder aufgegriffen wird im
Hinblick auf unser christliches Menschenbild, das allen Menschen
dieser Erde die gleiche Würde zubilligt.
Bitten wir gemeinsam im Gebet um Seinen Geist, dass er uns auf
diesem Weg stärke und ermutige! PAX CHRISTI !
Berthold Janberg
Präses der Pax-Christi-Gemeinschaft