EREIGNISSE VOR ORT

Wenn im Menschenleben, auch im Leben einer Gemeinde Daten und Zeiten eine Rolle spielen, wird deutlicher bewusst: Zeit ist Geschenk, ist Gnade - und darum schon schlichtweg Anlass zu danken. Danken für Zeit schon als bloße Möglichkeit!
Danken für die Zeit?! Bei den unterschiedlichsten Zeitepochen, die Menschen des 20. Jahrhunderts erlebt haben: Monarchie, Klerikalismus, Kulturkampf, Erster Weltkrieg, Weltwirtschaftskrise, Kommunistische Herrschaft, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, DDR, Demokratie, Bürokratie, Terrorismus - und was sonst noch? - wird man wohl mit einem pauschalen Dank vorsichtig sein. Der Erntedanksonntag 2008 in PAX vermittelte da eher den Rat -ganz gleich wie beglückend oder bedrückend aufs Ganze gesehen die Zeiten waren und sind-, für Schönes und Ermutigendes, wenn auch nur in Augenblicken und Zeitmomenten aufmerksam und dankbar zu sein. Solcher Denk- und Dankansatz lässt immer noch Raum für nicht so gut Gelungenes, weniger Dankenswertes. Gehalten vom Dank erwächst daraus nicht Lamentieren, sondern der Versuch und Wunsch nach Korrektur und Verbesserung - also auf positive Ausblicke für zukünftige Geschehnisse.
Trotz Wehmut über vergehende Zeit und Unruhe wegen zunächst immer undurchsichtig scheinender kommender Zeiten, hier nun einmal eine Liste von Schönem und Ermutigendem um die Entedankmesse 2008 in PAX
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Nach Beginn der Messe standen alle Kindergartenkinder –darunter eine große Schar 'ganz neu' im Kindergarten- als Chor auf den Altarstufen und sangen -wie ihre Vorgänger vor einem Jahr- voller Begeisterung das Lied, das man wie ein Medikament gegen Nostalgie verstehen kann:
Ich fang neu an jeden Tag, denn was gestern war, war gestern!
Er ist ganz neu dieser Tag, so wie keiner vor ihm war.
Er hat lauter neue Stunden, keine hab ich schon gelebt,
Er hat lauter neue Freuden, keine hab ich schon gelebt. Ich fang neu an jeden Tag!
Zu den einführenden Gedanken zum diesjährigen Fest im vorhergehenden GemeindebrieF ('Wunderbare Gedanken werden wach, für die Lebenszeit, für den Augenblick zu danken', schrieb ein Leser dazu) brachte ein paar Tage vorher eine Wochenzeitung unter der Schlagzeile 'Ich hasse die Zeit' ein Interview mit Nicolas Hayek, dem Schweizer Spezialisten, Erfinder der 'swatch-Uhr' und des Smart-Kleinwagens. Auf die letzte Frage des Interviewers: 'Hat sich Ihr Verhalten zur Zeit mit dem Älterwerden verändert?' die Antwort: 'Ich habe immer ein sehr spezielles Verhältnis zur Zeit gehabt. Einerseits hasse ich sie. Denn Zeit ist etwas, das ich nicht beherrschen kann. Ich kann sie nicht stoppen, ihr nichts befehlen und kann nicht sagen: "Halt! Bis hierhin und nicht weiter." Ich bin ein Mann, der von sich glaubt, dass er einfach alle Hindernisse überwinden kann, außer den Tod und die Steuern. Andererseits liebe ich die Zeit, weil sie mir so viel gegeben hat, tolle Begegnungen, Entwicklungen und Erlebnisse. Zwischen diesem Hass und dieser Liebe pendle ich ständig."
Ein wunderschöner Moment für die Kinder, ihre Familie und die ganze Gemeinde war der Tanz der Kindergartenkinder im Mittelgang der Kirche; - eine Antwort ganz eigener Art auf das Gotteswort, und ein wunderbares Gotteslob!
Wohltuendes steckte auch in vielen Punkten des Festes, ohne sie hier be-sonders herauszustellen – jeder wird eigene Erfahrungen gemacht haben.

Da ist die Idee der Jugend an Pax, wie beim fünfzigjährigen Jubiläum von Pax-Christi das Fest schon am Vorabend beginnen zu lassen mit der Vorabendmesse und einem Zusammenkommen danach auf dem Kirchplatz. Es wurde ein angenehmer Abend bei Kerzenschein und trockenem Wetter. Die diesmal kühlere Temperatur konnte mittels bayrischer Festzelterfah-rung durch neue Kissenauflagen auf den Bänken gebändigt werden.
Dann die Idee des Kreativkreises, mit dem Angebot selbstgefertigter Mar-melade in 'kreativer' Verpackung, die 'missio-aktion der jugend' zu unter-stützen. Die Idee der 'missio-action' selbst ist so alt wie das Erntedank-fest hier. So soll an diesem Tag, wo wir danken für die Früchte der Erde, für unsere Lebensgrundlage, - aber auch für alles, was dazu gehört, wie Sonne, Wasser, gute Erde, Luft, Pflege, Kultur, Bewahrung, Achtsamkeit und alle positiven Einstellungen des Menschen zu alledem – etwas von unserer Fülle an Menschen anderer Erdteile geschenkt werden, die nicht so bevorzugt leben. In diesem Jahr konnten Euro 394,00 (im Vorjahr Euro 287,00) durch den Verkauf gesponserter Herbstastern und von allen 90 verkauften Gläsern Marmelade dem Werk Missio in Aachen für Kinder in Afrika überwiesen werden.
Aus vielen Momenten des 'Miteinandergehens und Zueinanderstehens', wie es in einer Liedstrofe heißt, lebt das Fest. Großzügig, deftig bis exquisit, wurde von Gemeindemitgliedern und Eltern des Kindergartens (auch den 'ganz neuen' Eltern) das Bufett und die Kaffeetafel bestückt.
Alle, die im Laufe des Festes sich an unterschiedlichsten Getränken gelabt haben -oder wie die Jüngsten der jugend an pax Freude daran hatten, den Getränkestand zu besorgen, Gläserspülen eingeschlossen-, dürfen mit danken für das reiche Sponsoring: für ausgewählte Getränke: Mineralwas-ser, Bier, Wein, dazu das Leergut zu Gunsten der Jugendkasse, entgegen-kommende Einsätze vorher und nachher beim Transport und auch für das Leihen und Heranschaffen der Zapfanlage in letzter Minute.
Anlass zu ganz dickem Dank gilt dem Durchhaltevermögen der Teams in Pfarrsaal und Spülküche, das Nach-dem-Rechten-Sehen in den Sanitärräumen, das Vorbereiten und Arrangieren und die aufmerksame Pflege von Mittagtisch und Kaffeetafel.
Vergessen wir nicht wenigstens einen Sprung in den Kindergarten. Hier wurde auf ganz eigene Art zum Thema Zeit angeregt. Eine Grafik (und viele Bilder) zeigen die Größe, besser die Länge von gerade geborenen Babys und darunter Grafik und Bilder derselben Kinder heute. Dabei machten die Kinder die überraschende Entdeckung, dass das damals kleinste Baby in der Zwischenzeit herangewachsen ist zum heute längsten Kind.
Verständlich, wenn der Kindergarten das Erntedankfest 2008 besonders intensiv erlebte, weil dieses Haus weiter im Einsatz bleibt. Das Jugendamt der Stadt Essen hat dankenswerterweise zuerst die in den Bezirken tat-sächlich lebenden Kinder gezählt und dann den Kindergarten Pax-Christi in dieser Ecke der Stadt für notwendig erachtet. Dank allen, die aus Caritasverantwortung sich in der Sache eingesetzt haben, - und Dank dem SKF, dem Sozialdienst Katholischer Frauen, der bereit war die Trägerschaft zu übernehmen.
Noch eine ermutigende Episode am Rande dieses Tages. Als dem Verant-wortlichen für Organisation und Einsatz des Spielmobils des DJK-Sport-verbandes gedankt wurde, genau an dem Tag, der eigentlich sein freier Sonntag sein sollte, war seine Antwort: "Nach hierhin (nach Pax-Christi) komme ich immer gern", ... Pause... "weil ich das Konzept der Arbeit hier gut finde!" +

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Zu Entstehung und Hintergrund
der Pax-Christi-Kirche in Essen:

DANKE, WENN AUCH DEM GRÖSSTEN FEINDE ICH VERZEIHEN KANN!
Immer wieder fragen Besucher der Pax-Christi-Kirche, welchen Impulsen die Pax-Christi-Kirche ihre Entstehung, Idee und Gestalt verdankt. Der Besuch einer Gruppe französischer Gäste (siehe Seite 8) rief die spannungsreiche Geschichte vom Krieg zum Frieden gerade zwischen Frankreich und Deutschland in Erinnerung.
Im Frühjahr 1940 trafen sich 46 katholische junge Mäner der Pfarrei St. Mariä Geburt, Essen-West mit ihrem Priester Dr. Heyer zu einem Einkehr-tag. Es war Krieg und einige hatten den Stellungsbefehl zum Militär in der Tasche. Das gab den Anstoß, an diesem Tag einander das Versprechen zu geben: die Namen derer, die nicht mehr heimkämen, weiter zu erinnern - um so -fügte man hinzu- durch das Nennen der Namen und Schicksale weiteren Kriegen entgegen zu wirken.

Als nach Kapitulation und mit der Währungsreform der Wiederaufbau begann, löste 1949 der frühere Jugendkaplan mit der Neugründung einer Rektoratspfarrei von St. Lambertus, Essen-Rellinghausen her das Ver-sprechen vom Einkehrtag 1940 ein, und ließ die Namen der Gefallenen auf den Boden der Pax-Christi-Unterkirche schreiben.

In den Jahren vorher hatte sich durch Engagement und Mut einer Minder-heit, ja einzelner Christen geistig und geistlich Entscheidendes in der Kirche von Frankreich ereignet:

Der Bischof von Montauban Pierre Marie Théas hatte im Juli 1943 auf der Kanzel seiner Bischofskirche mutig Stellung genommen gegen den Ab-transport von Juden und jungen Franzosen aus seiner Diözese in deutsche Zwangsarbeitslager. Er wurde von Deutschen verhaftet und in das Inter-nierungslager bei Compiègne gebracht. Dort bitten ihn Mitgefangene um einen Einkehrtag. Der Bischof wählt das Thema 'Feindesliebe': Gilt sie auch für Deutsche? Die Zuhörer, meist Offiziere, sind erbittert. "Denen verzeihen, die Tag für Tag unsere Brüder zur Hinrichtung schleppen?" - "Mir hat die Gestapo sechs Söhne vor meinen Augen erschossen. Sie können nicht erwarten, dass ich jetzt die Hand zur Versöhnung und Verzeihung reiche; da bin ich überfordert. Wenn das Evangelium das fordert, kann ich nur sagen: "L'Evangile c'est terrible"! (Das Evangelium ist schrecklich!). Darauf der Bischof -vor diesen Männern wie hilflos- greift nach dem Evangelium und liest ihnen die Stelle über die Feindesliebe vor. ''Ich kann euch nichts anderes sagen als das, was der Herr gesagt hat. Nicht mehr, nicht weniger". Am Abend kommen die Männer wieder zurück, lautlos, kleinlaut: "Von Schlaf wird heute Nacht nicht viel die Rede sein, aber wenn Sie vielleicht mit uns ein Vaterunser beten können"? Am folgenden Morgen erhält der Bischof die Erlaubnis, die Messe zu feiern. Drei Stunden danach rufen Lautsprecher die Gefangenen der Blöcke A, B, C und D zusammen - zum Abtransport ins KZ Buchenwald. Da gehen sie noch einmal zum Bischof, der als Geisel zurückbleibt und fragen: "Wo ist jetzt Ihr Gott? Was denken Sie über das Thema 'Vorsehung'? Hat es sich gelohnt, was wir miteinander getan haben?" Die Worte, die der Bischof jetzt findet, sind die schwersten seines Lebens: "Wenn Ihr über den Rhein fahrt, flucht nicht dem Volk da drüben! Die Mütter und Witwen haben weiße Haare wie die unsrigen. Sie haben auch unsäglich viele Tote; es gibt zahlreiche Märtyrer des Widerstandes, die im KZ sitzen. Und vergeßt nicht, dass Christen und Brüder drüben sind wie bei uns!"

Am 10. August 1944 wird Bischof Théas von amerikanischen Truppen befreit und darf in seine Diözese zurückkehren. Monate später meldet sich bei ihm ein Ehepaar, das ihm den Gedanken vorträgt: "Früher oder später werden die Deutschen kapitulieren müssen. Wir werden ihnen aber nicht gleich die Hände reichen können nach all dem, was zwischen uns geschehen ist. Aber einmal müssen wir uns doch an einen Tisch mit ihnen setzen. Sollten wir nicht einen Kreuzzug zur Bekehrung Nazi-Deutschlands ins Leben rufen, und wären Sie bereit, das Patronat zu übernehmen"? Darauf der Bischof: "Nein, meine Freunde. Nach diesem Krieg beginnt man nicht mit einem Akt des Pharisäismus, etwa in dem Stil: "Mein Gott, ich danke dir, dass ich nicht zu diesem Volk gehöre. Wenn ihr zur Bekehrung eines Volkes einen Kreuzzug übernehmen wollt, bitte, tut das für unser Volk! Oder eine andere Formulierung als Vorschlag: "Gebetskreuzzug zur Versöhnung mit Deutschland."

Ein paar Wochen später kann Bischof Théas den damaligen Metropolitan-Bischof Kardinal Saliège von Toulouse als Protektor für die Bewegung gewinnen. Im März 1945 -Deutschland hat noch nicht kapituliert- unter-schreiben 40 französische Bischöfe den Aufruf zum Gebetskreuzzug zur Versöhnung mit Deutschland, "für den Frieden in der Welt", wie die end-gültige Formulierung heißt. (Bericht nach Pater Manfred Hörhammer, ofm cap)

Um sprachlich neutral zu bleiben, wird statt des französischen Wortes 'paix' oder des deutschen Wortes 'Frieden' das lateinische 'pax' - 'Pax Christi' als überbrückende Bezeichnung gewählt. Dieser Titel ist dann auch im Laufe der Jahre dieser Kirche und Gedenkstätte in Essen zugefallen.

Katholische Christen waren die ersten Boten der Versöhnung, die über die Besatzungszonengrenzen -herüber und hinüber- zunächst noch mit Anschlä-gen der Resistance rechnen mussten. Bischof Théas 1972: 'Es war damals sehr, sehr schwer!' Segensgeprägte Orte mit alter Wallfahrts-tradition boten die Chance, Stationen und dann Brückenköpfe der Ver-söhnung zu werden. Es begann erstmals im Februar 1946: Wallfahrer aus Frankreich, England, Belgien und Luxemburg pilgerten mit 14 Kreuzen sternförmig nach Vezelay. Zwei französische Priester setzten sich dafür ein, dass auch deutsche Kriegsgefangene, die die Zeltstadt für die Pilger zuvor aufzubauen hatten, sich mit einem 15. Kreuz der Wallfahrt anschließen durften; weiter 1947 im Bistum Aachen: eine Pilgerfahrt mit einem Holzkreuz voran von Ort zu Ort; eine Einladung an zunächst 17 (!) Deutsche zur Teilnahme an der nationalen französischen Lourdes-Wallfahrt; 1948 700-Jahrfeier des Kölner Doms: Teilnahme französischer, englischer, amerikanischer und anderer Bischöfe als Zeichen der Versöhnung; 1948: Treffen im Marienwallfahrtsort Kevelaer mit Gründung der deutschen Pax-Christi-Sektion; dann die Teilnahme von nun 600 Deutschen an einer Pilgerfahrt nach Lourdes im gleichen Jahr, bei der aufgrund der Vermittlung von Théas, inzwischen Bischof von Lourdes, deutsche Kriegsgefangene mit heimfahren durften.

Beim Besuch der französischen Gruppe in Pax berichtet ein deutscher Teilnehmer: Im ersten Jahr nach dem Krieg wurden wir deutschen Gefan-genen im französischen Lager von Kämpfern der Résistance bewacht, die voller Aggression gegen alles Deutsche waren - mit entsprechenden Konsequenzen im Verhalten gegenüber den Gefangenen. Im zweiten Jahr kamen Franzosen aus deutscher Gefangenschaft zurück. Sie waren von Wachmannschaften der deutschen Wehrmacht nach den Grundsätzen der Genfer Konvention behandelt worden, d.h. unter Achtung der Menschen-würde. Nun, als ihnen selbst die Rolle als Bewacher übertragen wurde, folgten sie diesem humanen Beispiel. Aus Haß wurde Verständigung, ja Freundschaft!

Weil unsere Kraft Erinnerung heißt, wie ein Weisheitswort sagt, wird Besuchern dieser Kirche und Menschen dieser Gemeinde, auch Hinzukommenden und Nachwachsenden, diese Ursprungsgeschichte der Pax-Christi-Kirche zu vermitteln sein.

Und wenn diese Kirche den Titel trägt 'Jesus Christus - Anführer des Lebens und des Friedens' , können wir nur staunen und dankbar zu sein für das, was er der Menschheit gebracht hat. Um nur dies zu nennen: "Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde, und betet für sie. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, nur die grüßt, die euch grüßen - welchen Lohn erwartet ihr dafür? das tun auch andere! Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann werdet ihr Söhne und Töchter des Höchsten sein."
Jesus Christus verdanken wir die Perspektive, dass allein durch
VERGEBUNG und VERSÖHNUNG zwischen PERSONEN und VÖLKERN der FRIEDE gewonnen und gewährleistet werden kann.

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AUS DER CHRONIK der PAX-CHRISTI-STÄTTE

Unter dem Datum vom 8. Juni 1977 findet sich in der Chronik ein Brief des Weihbischofs + Wolfgang Große, (+ 15. 02.2001),
seinerzeit im Bistum Essen der Verantwortliche für Glaubensfragen.
Der nachfolgende Auszug bezeugt, dass der Inhalt bis heute, 2005
in der momentanen Situation mit einer bestimmten political correctness,
von großer Aktualität ist.

"Ich bin für mich überzeugt, dass die gewaltige Anstrengung der Moraltheologie,
die sich in den Traktaten zum Beispiel vom gerechten Krieg, von legitimer Staatsgewalt,
vom Tyrannenmord niedergeschlagen hat, nicht einfach ein grandioser Irrtum war.

Meine Frage ist, ob die Formulierung der Satzung der Pax-Christi- Gemeinschaft:
"Opfer von Krieg und ungerechter Gewalt" so verstanden werden kann,
dass "ungerecht" eine festverbundene Erläuterung von Gewalt *
und nicht ein unterscheidendes Merkmal** ist."
Weihbischof
Große

Anmerkung der Redaktion:

* Ob also jede Gewalt, wo immer und gleich von wem und in welcher Form ausgeübt,
grundsätzlich und in sich ungerecht und böse,
und folglich unbedingte Gewaltlosigkeit die einzig mögliche christliche Haltung ist!

** Oder ob 'ungerecht' ein unterscheidendes Merkmal ist, also anerkannt wird, dass es Macht gibt, die gerecht und begründet ist, - zum Beispiel das Machtmonopol des Staates, die sich von illegaler oder ungerechter Macht klar unterscheidet.
Weihbischof Wolfgang Große mahnt, die gewaltigen geistigen Anstren-gungen der Theologie in Sachen Frieden zu achten und zu studieren, und nicht gerade gängigen ideologischen Trends oder demoskopischen Mehrheiten zu folgen - oder gedankenlos beispielsweise die Lehre vom 'gerechten Krieg' für überholt zu halten.
Die Testfrage
'ob etwas nicht einfach ein grandioser Irrtum ist', könnte auch für andere Bereiche zur Unterscheidung der Geister hilfreich sein!

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DAS SAKRALE ZURÜCKGEWINNEN
Noch sind wirksam die Folgen der weltanschaulichen Systeme des 19. und 20. Jahrhunderts, die sich aufstellten gegen Religion, Christentum und Kirche, Systeme, deren Verheißungen von Freiheit, Gleichheit und Eman-zipation so mancher wie eine Religion gläubig verinnerlicht hat. Mehr und mehr wird aber offenkundig, dass das, was einmal als strahlende Zukunft, als Paradies auf Erden verheißen wurde, nach dem Marsch in einen kollektiven Zwang oder in völlige Freizügigkeit schließlich nach Zusammenbruch und Selbstvernichtung ein gewaltiges Vakuum hinterließ. Dem Vakuum folgt nun die Sogwirkung in die gegensätzliche Richtung. Schon wird Ausschau gehalten nach althergebrachten Praktiken, mysteriösen oder heidnischen Riten aus fremden Kulturen, beschränkt auf rein gefühlsbestimmtes Erleben. Gleichzeitig mehren sich die Stimmen, die nach Rückgewinnung des Religiösen, ja des Sakralen (= Heiliges, Gottgeweihtes) rufen.

Nicht zuletzt weil man in den Staaten des Westens beeindruckt war von Macht und Einfluss des Atheismus, hatte man mit zwangsläufig fortschreitender Säkularisierung
(=Löslösung aus den Bindungen an die Kirche) gerechnet. Und so mancher wollte dann auf der sicheren Seite bei den Mächtigen und der Avantgarde sein, die eine Gesellschaft ohne Religion für eine bessere hielt.

Dann kam der 11. September 2001: Belegt durch Dokumente stellte sich bald heraus, dass die Attentäter vom World Trade Center weniger aus politischem als aus massiv religiösem Fanatismus handelten. Ein einfluss-reicher Philosoph –bisher konform mit der Säkularisierung- sprach auf einmal über Sinn und Aufgabe von Religion, bezeichnete sich selbst jedoch noch vorsichtig als ‘religiös unmusikalisch'. Später sprach er im Blick auf die fortschreitende Distanz der Menschen zu Religion und Christentum von ‘entgleisender Modernisierung’ und von Religion plötzlich als ‘wichtigster Ressource’ der Gesellschaft. Auf einen Satz gebracht, lautete seine Analyse: "Die Folgekosten der 'entgleisenden Modernisierung sind immens'. Deshalb muss man der Religion in der säkularen Gesellschaft als 'wichtigste Ressource der Sinnstiftung' neu Geltung verschaffen." Geradezu prophetisch hat dies schon vor Jahren mit anderen Worten und nach Innen zu seinen Mitchristen Karl Rahner gesagt: "Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein – oder er wird nicht mehr sein!" - Das meint: CHRIST, nicht bloßes Mitglied, Kirchensteuerzahler, Mitläufer oder Fanatiker, sondern ein Mystiker, Geistbeseelter und Geistgeleiteter, Gott- und Christusverbundener!

Wenn nun in diesem Land das Religiöse und Sakrale zurückgewonnen werden soll, dann wohl nicht im Zurückfallen in vorchristliche Natur- und Stammesreligion. Die Christianisierung unserer Vorfahren hat ja einen gut Teil Aufklärung und auch Säkularisierung als Befreiung einer von Göttern und Dämonen besetzten Welt gebracht, aber sie ist und bleibt bis heute ein Prozess, der weitergehen und innerchristlich für Menschen nun des 21. Jahrhunderts wieder neue Wege und Sprache finden muss.

So ist es zeitgerecht, dass zum Beispiel aus dem Bereich der kirchlichen Kunst jetzt an einen kritischen Impuls erinnert wird, der in den fünfziger Jahren erstmals mit der ethischen Studie 'KITSCH UND CHRISTENLEBEN' des Münchener Moraltheologen Richard Egenter gegeben wurde. In dieser Studie nimmt er unter die Lupe, auf welche Weise Religion und Glaube in Verkündigung und religiösem Selbstverständnis in den letzten 150 Jahren versimpelt und aufgeweicht wurden - und kommt zu der Folgerung, dass in den Kirchen und bis ins Christenleben hinein der Kitsch in Bildern und Figuren, in Lied und Wort ein schlimmes Stück Schuld trägt an der Entfremdung des modernen Menschen vom Christentum. Bilder, Worte, Symbole und Gesten wurden in klein dosierten Mengen geschönt, über-malt, geglättet - ästhetisch minderwertig, aber sicher gutgemeint -, am Ende mit dem Ergebnis einer langsamen, zunächst kaum merkbaren Senkung des religiösen Gesamtniveaus. Die Tiefenschichten des eigent-lichen personalen Lebens wurden durch süßlich-naive Christus- und Heiligenbilder und Legenden nicht erreicht.

Der Buchtitel "... UND CHRISTENLEBEN" signalisiert, dass es hier nicht nur um eine theoretische Auseinandersetzung geht, auch nicht allein um Kunst oder Design und Gestaltung oder gar um bloßen Geschmack, sondern darum, wie dieser Entartungserscheinung, die das religiös-sittliche Leben in der Wurzel vergiften kann, zu begegnen ist. Das Bild von Jesus Christus zumal, –wo verzerrt dargestellt- soll von übertriebenen oder verharmlosenden Übermalungen befreit, ein wahrhaftiges Leitbild für Christen werden.

Ebenso wichtig wie die Frage nach Stil und Echtheit von Frömmig-keitsformen in Sprache und Musik in der Kirche der Gegenwart, ist die Frage, ob Handeln und Verhalten ihrer Mitglieder glaubwürdig sind. Die Umstrukturierung des Bistums zum Beispiel wird in den Pfarrbezirken, so ist zu hoffen, einen Aufbruch von individuellem Engagement und von Ideenreichtum nach sich ziehen. Wache Christen mit höchst aktiver Geistigkeit und mit Gespür für das echte Wirkliche und Gültige sind gefragt.

Das Wort Ressource (=natürlich vorhandener Bestand zum Lebensunterhalt, Quelle) ruft ein Gedicht von Reiner Kunze 1966 in Erinnerung (unmittelbar nach dem die Kulturpolitik der DDR eine scharfe, neostalinistische Wendung genommen hatte).

sensible wege
sensibel ist die erde über den quellen
kein baum darf gefällt, keine wurzel gerodet werden
die quellen könnten versiegen
wie viele bäume werden gefällt,
wie viele wurzeln gerodet in uns.

Die Rückgewinnung des Sakralen als wichtigste Ressource muss also nicht im Sog nach mysteriösen Praktiken, fundamentalistisch oder oberflächlich nach Zeitmode verlaufen. Sakrales sind Wort und Sakrament, Zeichen, Bilder und Klänge, die gesammelte Lebenserfahrung des Volkes Gottes, Weisheitsquellen, aus denen Glaubende in Geschichte und Gegenwart geschöpft haben. Sakral, Heilig-Heilendes, sind auch Mitmenschen, die für ihre Nächsten wie Biotope sind.
Das Nachgehen des Kreuwegs Jesu Christi in den kommenden Wochen, das Meditieren seiner Passion und die Feier des Glaubensgeheimnisses von Ostern sind Stationen, 'sensible Wege' im Lebenslauf der Glaubenden seit Generationen - und immer neu Quelle.
Auch im Jahr 2006 ist hier eine Station, die vor der Tür liegt. (März-April-Brief 2006)

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Impressionen einer Klasse 3b

Bei ihrem Wandertag vor den Sommerferien besuchte die Klasse 3b der St. Josef-Grundschule Essen-Steele-Horst die Pax-Christi-Kirche. Hier werden einige Eindrücke wiedergegeben, die die Mädchen und Jungen auf einem großen Karton in Text und Bildern zusammengetragen haben:

Das Taufbecken.
"Das hat mir in der Pax-Christi-Kirche am besten gefallen. Es war mit einem Wal und einem Jungen namens Jona dargestellt. Es hat mich ganz besonders beeindruckt, dass Jona den Kopf oben hatte und nicht unten, denn eigentlich wäre man ja traurig, dass man so etwas erlebt hat. Er sah erschöpft aus und er war müde, denn er hatte die Augen zu. Der Pfarrer hat uns viel erzählt über das Taufbecken, das fand ich schön." Lilli

"Ich fand die Idee klasse mit den Namen auf den Boden. Ich finde die Steine auf dem Boden schön. Sie sind ein schönes Andenken an die Menschen." Joanna

Der schöne Boden. Wir waren in der Pax-Christi-Kirche. Da hat mir der Boden mit der Schrift sehr gut gefallen. Darauf standen so viele Namen. Die Namen bedeuten oder stehen für die Erinnerung an ermordete Menschen "

Die Postkarten. "Die liegen in der Pax-Christi-Kirche aus. Sie zeigen die besonderen Teile der Pax-Christi-Kirche das find ich toll. So kann man sich jederzeit eine Postkarte von dem Teil mitnehmen, welcher einen besonders interessiert hat. " Yannick

Das Mosaik.. " Das hat mich sehr beeindruckt, weil damit sehr viele Bilder von Jesus gelegt waren." Paula

Der Junge und das Mädchen. "In der Pax-Christi-Kirche waren Namensteine, die wir, die Klasse 3b, uns angeguckt haben. Einmal haben wir einen Stein gesehen, da stand ein Jungen- und ein Mädchenname drauf. Der Pfarrer erzählte die Geschichte: Der Junge und das Mädchen waren Geschwister. Beide saßen im Bus. Im Bus waren Männer, die das Mädchen umbringen wollten. Aber der Bruder hat sich vor seine Schwester gestellt, so dass er umgebracht worden ist. Nachher wurde sein Name auf einen Stein geschrieben als Andenken." Leonie

"In der Pax-Christi-Kirche stand am Eingang eine Mahnstatue. Die soll ermahnen, dass kein Krieg mehr stattfinden soll. Ich finde es interessant, weil sie im Krieg teilweise zerstört wurde und absichtlich nicht wieder repariert wurde." Julius (Gemeint ist die Skulptur 'Annaselbdritt' im Vorraum der Oberkirche, – Maria und Anna fehlen jeweils eine Hand.)

Der Stein in der Pax-Christi-Kirche. Es gibt einen Stein, auf dem der Name eines Fußballers steht. Der Fußballer schoss einmal in einem Fußballspiel ein Eigentor und hatte verloren. Ein paar Tage später hat ihn ein anderer Mensch aus Wut darüber erschossen.- Also ich meine , dass man einen Fußballspieler nicht erschießen darf. Man darf Menschen nicht erschießen " Constantin

"In der Pax-Christi-Kirche war es schön. Ich habe auch die Namen gesehen. Darunter waren Menschen, die sich für andere eingesetzt hatten. Ich fand es schön, dass sie in der Kirche verewigt wurden." Leander

Die Kerze in der Pax-Christi-Kirche. Für die Namen. In der Pax-Christi-Kirche gibt es eine Kerze. Sie ist bei der Mutter Gottes. Sie leuchtet für die Menschen, die für andere gestorben sind Sie brennt aber auch für Menschen, die für ihre Religion ge-storben sind. Diese Kerze ist sehr wichtig, deshalb brennt sie Tag und Nacht." Eva

"Bei der Führung durch die Pax-Christi-Kirche waren wir zuerst in der Unterkirche. Dann sind wir auch noch in die Pax-Christi-Oberkirche gegangen. Dort fand ich es sehr toll, dass ein Mensch darauf gekommen ist, dass hinter dem Altar keine Fenster sind, also kein Licht herein kommt. Aber durch alle anderen Seiten kommt Licht. Das fand ich fantastisch." Joris

"In der Oberkirche waren so schöne Fenster. Ich habe mir die Fenster genau angekuckt. Sie waren so schön bunt und haben geleuchtet. Sie waren alle verschieden." Karina

"In der Pax-Christi-Oberkirche im Eingang ist eine Statue. Die Statue lauscht und hat die Hände hinter den Ohren." Christian

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